#rp14 speaker: Aram Bartholl - Plug in, find out

Das Digitale schleicht sich immer mehr auch in die analoge Welt ein. Teils empfindet man die unsichtbare zweite Ebene der Welt wie eine anschmiegsame Decke, die einen zum Beispiel dann wärmt, wenn man sich in menschenleeren Straßen verlaufen hat und vom Handy-Navi wie von Zauberhand sicher nach Hause geleitet wird.

Manchmal fühlt sich das „Netz“ aber auch tatsächlich wie ein Netz an, das sich immer enger um einen schnürt und die Person auf unangenehme Weise konturiert, indem sie vermisst und aufnotiert: Jede Bewegung, jeden Kontakt. Schnell nimmt einem dieser Einsatz von Technologie die Luft zum Atmen.

Selten gibt etwas verlässlicher Auskunft über die Rolle eines Mediums oder Paradigmas in der Gesellschaft als die Kunst. Wir mussten unseren Blick nur kurz in unseren Browser und dann nach Berlin-Mitte schweifen lassen: Medienkünstler Aram Bartholl beschäftigt sich nicht nur ganz dezidiert damit, was der Mensch mit den Medien macht, sondern auch in wie weit die Medien den Menschen verändern. Das Spannungsverhältnis von öffentlich und privat, online und offline, von Technologieverliebtheit und Alltag liegt im Kern seines Schaffens.

In Form von Interventionen und Installationen im öffentlichen Raum untersucht Bartholl die Wirkung, wenn Bestandteile der digitalen Welt mit der Realität verschmelzen. Dies setzt er auf unterschiedlichste Art und Weise um. Seine Arbeit Map ist z.B. eine Installation im öffentlichen Raum. Die sechs Meter hohen, roten Pfeile sind Google-Maps-Markierungen und stellen virtuelle von Geolocation-Services definierte Punkte in der Stadt vor.

Mit der viel diskutierten Arbeit DeadDrops wurde Bartholl im 2011 im MoMA in New York ausgestellt. Der Aspekt der Intervention spielt bei dem Projekt eine besondere Rolle. Um ein gemeinsames Netzwerk zu schaffen, bei dem jedermann offline private Daten austauschen kann - ohne dabei von großen kommerziellen Unternehmen ausspioniert zu werden oder Opfer von Datenspeicherung oder -verkauf zu werden -, werden USB-Sticks an öffentlichen Plätzen wie Wänden oder Bordsteinen so angebracht, dass ein Laptop für den Datenaustausch angeschlossen werden kann.

Auf der re:publica wird Aram Bartholl in seiner Session "Forgot Your Password" auf seine bisherigen Projekte zurückblicken und sein neuestes Workshop-Format 'Kill Your Phone' vorstellen.

Aram Bartholl ist Mitglied der Künstlergruppe Free Art and Technology Lab - F.A.T. , die über das Internet von drei Kontinenten aus an gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten und bewegt sich in netzpolitischen Kreisen. Wenn es um Wildnis geht, dann ist er der richtige Mann, um „Art“ in the „Heart“ zu bringen.