Unverbleit! - Die Datentankstelle von Wikimedia Deutschland

Wäre das alles ein schlechter Film, dann könnten wir ihn “Von der Galeere zur Gallone, und zurück!” nennen. Aber hier geht es nicht um einen Film, sondern um die wahre Geschichte von Freiheit und Benzin. Im Paartanz sind beide durch die letzten Jahrzehnte gewirbelt. Und an den Tankstellen dieser Welt stand jeder Griff nach dem Zapfhahn auch für gelöste Fesseln, Revolution und Unabhängigkeit. Bis es sich ins Gegenteil verkehrte. Aber der Reihe nach:

Schrumpfende Symbole

Am Anfang wurden die Autos einfach immer größer: Hub- und Innenräume wuchsen mit dem Freiheitsgefühl hinter dem Lenkrad. Von A nach B kommen, war das eine; Grenzen und den eigenen Horizont überwinden das andere. Autos ließen den Menschen des 20. Jahrhunderts zum klimatisierten Pionier werden. Ein leerer Tank war kein Hindernis, und Zapfsäulen waren die Orte, wo der Fortschritt buchstäblich in der Luft lag. Sie roch danach und flirrte, während jeder neue Liter, jede Gallone die eigene Selbstbestimmtheit quittierte. Wer ein Auto hatte, war wer. Wer nicht, war abhängig. Straßenkreuzer, Pfennigbeträge, Wirtschaftswunder. Und im Radio sangen sie “Born to be wild!”

Doch dann wurden die Autos plötzlich kleiner: Erst kamen die Staus, dann mangelnde Parkplätze und schließlich Benzinpreisduelle. Der Stoff, aus dem die Freiheit ist? Er litt unter Verknappung. Irgendwann hingen Autos sogar an der Steckdose, wie Mikrowellen oder Nachtlichter. Spätestens damit war sie vorbei, die Symbolkraft des Autos: Hybride statt Schweröl, Plastik statt Metall, Carsharing statt Kühlerfiguren.

Und nun?

Das Jahr 2014. An den Tankstellen geht es vor allem um Payback-Karten oder 2-für-1-Schokohörnchen. Früher Oase der Freiheit, heute ein Tempel der Ordnung und Marktanalyse. Zeit, etwas Neues zu zapfen und die Tankstelle wieder in die Wildnis zu schicken!

Die Datentankstelle und Du!

Auch wenn Schlagworte wie “Big Data”, “Überwachung” und “Sicherheitsleck” das Gegenteil nahelegen: Daten können der neue Rohstoff der Freiheit sein. Einer, der nicht knapp wird! Denn Daten sind für Wissen das, was das Alphabet für die Sprache ist. Sie sind Bausteine, aus denen jeder interessierte Mensch Inhalte erstellen, neu zusammensetzen und weitergeben dürfen sollte. Treibstoff für den Kopf!

Weil sich jede Gesellschaft in ihren Symbolen spiegelt – und sich mit ihnen weiterentwickelt – hat Wikimedia Deutschland die Datentankstelle gebaut. Unsere Zapfsäule löst das Konzept der asphaltlastigen Unabhängigkeit auf, um etwas Neues aus den Einzelteilen zu machen. Hier kommen frei lizenzierte E-Books, Geodaten, Musikdateien, Landkarten, Bibliotheksdaten und vieles mehr aus dem Hahn. An anderen Stellen sind diese Pakete nur schwer zugänglich; an der Datentankstelle gibt es sie dagegen ohne Bereitstellungskosten, langes Warten oder Freigabeverhandlungen.

Auf der re:publica feiert die Datentankstelle ihre Premiere. An allen drei Tagen findest Du sie am Stand von Wikimedia Deutschland, bevor sie in unsere offenen Räume am benachbarten Tempelhofer Ufer zieht. Komm vorbei! Schlag Dich durch den ungezähmten Dschungel der re:publica und bediene Dich an Datenpaketen, die Du so gebündelt nirgendwo sonst findest. Wie das funktioniert, was alles im Angebot ist, und wie Du eigene Daten oder Ideen beitragen kannst, steht im Detail auf der Webseite der Datentankstelle.

 

Foto: Nina Schuiki, CC-BY-SA 3.0 

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